Gehirn-gerecht lernen
ICD-10 F2 lernen: So merkst du dir Schizophrenie, Wahn und Psychosen für die HPP-Prüfung
Schizophrenie, ein Thema das in der Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie (HPP) eine wesentliche Rolle einnimmt.
Ein Thema das auch schwer zu verstehen ist und vor allem nicht greifbar, wenn du noch nie damit in Berührung gekommen bist.
Eine Reise in eine Welt, die anders ist, die Niemand versteht.
13. Oktober 2026 · von Janina Plagge
Eine Reise in eine Welt, die niemand versteht – durch Psychosen, Wahn und veränderte Wirklichkeiten
Die F2 gehört für viele in der Vorbereitung auf die Heilpraktikerprüfung für Psychotherapie nicht unbedingt zu den Kapiteln, bei denen man spontan denkt: „Juhu, das lerne ich heute!“ Schizophrenie, Wahn, Halluzinationen, Ich-Störungen, Positiv- und Negativsymptome, Bleuler, Schneider, Zeitkriterien und dann auch noch verschiedene Krankheitsbilder.
Mein F2 Lernheft beginnt mit einem Brief von Mia – den möchte ich hier mit dir teilen:
"Ich bin Mia.
Vor einem Jahr hätte ich nie gedacht, dass ich einmal in einer Welt leben würde, die niemand versteht.
Ich war einfach ein ganz normaler Mensch. Ich hatte Pläne, Träume, Freunde. Ich lachte viel. Ich war müde manchmal, aber das kennt doch jeder, oder?
Dann veränderte sich etwas.
Erst ganz leise. So leise, dass ich es selbst kaum bemerkt habe.
Und plötzlich … war nichts mehr so, wie es vorher war.
Alles bekam eine Bedeutung.
Stimmen. Zeichen. Gedanken.
Eine Welt öffnete sich – bunt, laut, verwirrend und für andere unsichtbar.
Deine Mia"
Wie kann eine Psychose beginnen?
Einer Schizophrenie kann eine sogenannte Prodromalphase vorausgehen.
Das bedeutet vereinfacht: Es können bereits
Veränderungen auftreten, bevor sich die eigentliche psychotische Symptomatik entwickelt.
Mögliche Anzeichen der Prodomalphase sind:
- sozialer Rückzug
- Konzentrationsprobleme
- Schlafstörungen
- Ängste
- Derealisation – die Umwelt wirkt fremd oder unwirklich
- Depersonalisation – die eigene Person oder das eigene Erleben fühlt sich fremd an
Wichtig: Diese Beschwerden sind unspezifisch. Sie bedeuten für sich genommen nicht, dass jemand eine Schizophrenie hat oder entwickeln wird.
Von der Wahnstimmung zum Wahn
Ein weiterer Begriff, der dir in der F2 begegnet, ist die Wahnstimmung.
Mia könnte beispielsweise spüren:
„Irgendetwas ist anders.“
„Hier passiert etwas.“
„Alles fühlt sich plötzlich so bedeutsam an.“
Typisch für eine Wahnstimmung können sein:
- ein Gefühl, dass etwas Besonderes geschieht
- die Umwelt erscheint plötzlich bedeutsam
- innere Anspannung
- Unsicherheit
- eine schwer erklärbare Erwartung: „Es wird etwas passieren.“
Mia weiß in diesem Moment möglicherweise noch gar nicht, was eigentlich los ist. Ihre Umwelt bekommt lediglich eine andere Bedeutung. Daraus kann sich ein konkreter Wahn entwickeln. Es handelt sich jedoch nicht um einen zwingenden Ablauf, den jede Person mit einer Schizophrenie durchläuft.
Und was ist ein Wahn?
Vereinfacht kannst du dir merken:
Wahn ist eine feste Überzeugung, die für die betroffene Person Realität ist und sich nicht einfach durch Gegenargumente korrigieren lässt. Für Mia fühlt sich ihr Erleben wirklich an. Wenn sie beispielsweise überzeugt ist, dass sie überwacht wird, hilft kein: „Ach Quatsch, das bildest du dir nur ein.“ Für sie ist es ihre Realität.
Für deine HPP Prüfung ist also wichtig zu wissen: Wahn, Halluzinationen und Ich-Störungen sind verschiedene Dinge. Diese Begriffe solltest du sauber auseinanderhalten.
- Wahn betrifft das inhaltliche Denken. Mia ist beispielsweise fest davon überzeugt, überwacht zu werden.
- Halluzinationen sind Wahrnehmungsstörungen. Mia hört beispielsweise eine Stimme, obwohl kein entsprechender äußerer Reiz vorhanden ist. Bei einer Schizophrenie sind insbesondere akustische Halluzinationen typisch.
- Ich-Störungen betreffen die Grenze zwischen dem eigenen Ich und der Umwelt. Mia könnte beispielsweise erleben, dass andere ihre Gedanken kennen, ihr Gedanken entziehen oder Gedanken von außen in sie hineingegeben werden.
Und genau das ist für mich gehirn-gerechtes Lernen: Nicht nur Begriffe auswendig lernen – sondern verstehen, was sie bedeuten.
Bleuler und seine vier A
Dann begegnet dir bei der Schizophrenie ein Name, den du für die HPP-Prüfung kennen solltest:
Eugen Bleuler.
Mit ihm werden klassisch die sogenannten vier A verbunden:
1. Affektstörung
Gefühl und Situation können nicht mehr passend zusammenpassen.
2. Ambivalenz
Gegensätzliche Gefühle, Gedanken oder Wünsche bestehen gleichzeitig.
3. Assoziationsstörung
Gedankliche Verknüpfungen können gestört sein.
4. Autismus
Gemeint ist hier Bleulers historischer Begriff: ein verstärkter Rückzug in die eigene innere Erlebniswelt.
Wichtig: Dieser historische Begriff des „Autismus“ ist nicht mit der heutigen Diagnose einer Autismus-Spektrum-Störung gleichzusetzen.
Dein Lernanker:
Bleuler = die 4 A
Affekt – Ambivalenz – Assoziation – Autismus.
Und noch Schneider …
Ein weiterer wichtiger Name ist Kurt Schneider. Mit ihm werden die klassischen Symptome ersten Ranges verbunden.
Dazu gehören beispielsweise bestimmte Formen des Stimmenhörens, Gedankenlautwerden und bestimmte Ich-Störungen wie Gedankeneingebung, Gedankenentzug oder Gedankenausbreitung.
Für deine Prüfung ist vor allem wichtig, dass du die Begriffe nicht nur aufsagen, sondern auch an einem Beispiel erkennen kannst. Wenn jemand beispielsweise sagt: „Die Gedanken in meinem Kopf sind gar nicht meine. Jemand gibt sie mir ein.“
solltest du nicht nur an „Schizophrenie“ denken, sondern den psychopathologischen Begriff erkennen:
Gedankeneingebung → Ich-Störung.
Positiv oder negativ?
Nein, positiv bedeutet bei der Schizophrenie nicht „gut“.
Bei den Positivsymptomen kommt vereinfacht gesagt etwas zum bisherigen Erleben hinzu.
Zum Beispiel:
- Wahn
- Halluzinationen
- bestimmte Ich-Störungen
- Erregung
Bei den Negativsymptomen gehen Fähigkeiten oder normales Erleben zurück.
Dazu können beispielsweise gehören:
- Affektverflachung
- Antriebsmangel
- Sprachverarmung
- sozialer Rückzug
- Anhedonie – die Fähigkeit, Freude zu empfinden, ist vermindert
Was solltest du für die HPP-Prüfung zur F2 können?
Versuche die F2 nicht als riesigen Berg einzelner Fakten zu lernen.
Stell dir stattdessen zunächst fünf Fragen:
1. Was erlebt die Person?
Wahn? Halluzinationen? Ich-Störungen? Formale Denkstörungen? Negativsymptomatik?
2. Wie lange bestehen die Symptome?
Die Zeitkriterien der jeweiligen Störungen sind für die diagnostische Einordnung wichtig.
3. Könnte etwas anderes dahinterstecken?
Denke an Differenzialdiagnosen und insbesondere auch an organische oder substanzbedingte Ursachen sowie affektive Erkrankungen.
4. Besteht eine akute Gefährdung?
Eigen- und Fremdgefährdung sowie Suizidalität müssen ernst genommen und abgeklärt werden.
5. Was muss jetzt passieren?
Eine akute psychotische Symptomatik gehört fachärztlich abgeklärt und behandelt. Je nach Zustand kann auch eine stationär-psychiatrische Behandlung erforderlich sein.
Gerade als angehender Heilpraktiker für Psychotherapie musst du deshalb nicht nur Krankheitsbilder erkennen.
Du musst auch deine Behandlungsgrenzen kennen.
Und F2 ist mehr als Schizophrenie. Wenn die Schizophrenie sitzt, hast du erst einen Teil der F2 geschafft.
Zur F2 gehören unter anderem:
- F20 Schizophrenie
- F21 schizotype Störung
- F22 anhaltende wahnhafte Störungen
- F23 akute vorübergehende psychotische Störungen
- F24 induzierte wahnhafte Störung
- F25 schizoaffektive Störungen
- F28 sonstige nichtorganische psychotische Störungen
- F29 nicht näher bezeichnete nichtorganische Psychose
Und natürlich kommen bei der Schizophrenie noch Zeitkriterien, Differenzialdiagnosen, Behandlung und – insbesondere beim Lernen nach ICD-10 – die verschiedenen Formen der Schizophrenie hinzu. Ein ziemliches Brett.
Genau deshalb würde ich nicht versuchen, alles gleichzeitig auswendig zu lernen.
Verstehe, was Mia erlebt.
Ordne anschließend die Fachbegriffe diesem Erleben zu.
Und erst wenn dieses Grundgerüst steht, gehst du mit Skript und Fachbuch in die Details.
So entsteht aus vielen einzelnen Informationen nach und nach ein zusammenhängendes Bild.
Und genau so ist Mias Lernwelt entstanden. Du begleitest Mia durch ihre veränderte Wirklichkeit und lernst dabei Schritt für Schritt die F2 kennen. Bilder und Geschichten ersetzen dabei nicht dein Fachbuch oder Skript.
Sie geben den Informationen einen Platz, an dem dein Gehirn sie wiederfinden kann.

