Psychopathologischer Befund

Der Psychopathologische Befund

 

Der Psychopathologische Befund ist Teil der Amnamese. Er beschreibt den Patienten, wie er sich JETZT zeigt - objektiv, vollständig und ohne Schlussfolgerungen. Dabei ist die Amnamese das Gesamtbild. Hier werden Informationen wie bspw. Aktuelle Beschwerden, Krankheitsgeschichte, Familie, Psychopathologische Befund usw. gesammelt. In dem Artikel geht es um die Besonderheiten und wie du gehirn-gerecht den Überblick bekommst. 

 

 

11. Oktober 2026 · von Janina Plagge

 

 

Amnamese - das Gesamtbild eines Patienten.

 

Der psychopathologische Befund ist ein wichtiger Bestandteil der psychiatrisch-psychotherapeutischen Befunderhebung. Neben dem psychopathologischen Befund werden im Rahmen der Anamnese unter anderem folgende Bereiche erhoben:

  • Aktuelle Beschwerden
  • Krankheitsgeschichte
  • Biografie
  • Familie
  • Medikamente & Substanzen
  • Körperliche Erkrankungen

Ziel ist es, ein Gesamtbild des Patienten und seiner aktuellen Situation zu bekommen.

Der psychopathologische Befund beschreibt dagegen den aktuellen psychischen Zustand des Patienten – also den Zustand in dem Moment, in dem er in deiner Praxis sitzt. Du bist hier völlig im Hier & Jetzt und beurteilst die aktuelle Situation.

 

  • Ziele des psychopathologischen Befundes sind:
  • den aktuellen psychischen Zustand erfassen
  • Symptome systematisch beschreiben
  • Risiken erkennen, z. B. Suizidalität und Fremdgefährdung
  • den Verlauf dokumentieren
  • eine Grundlage für Diagnostik und Therapie schaffen

 

 

Nosologisch unspezifisch - das ist dein Motto

 

Tipp zum Merken: Nase (a durchgestrichen und ein o) und logisch. Das bedeutet 

einfach gesagt: Wir legen uns nicht auf eine Diagnose fest, sondern gehen zunächst 

Schritt für Schritt durch alle Punkte und notieren Beobachtungen und Symptome. 

Erst am Ende kommen wir zu einer Diagnose.

 

Übrigens – mehrere Symptome zusammengefasst nennen wir Syndrom.

 

Somit gibt es einen Merksatz für dich:

„Nicht die Diagnose führt den Befund – der Befund führt zur Diagnose.“

 

Ehrlich gesagt, saß ich im Unterricht und habe das erste Mal in meinem Leben vom psychopathologischen Befund gehört und gelesen. Dann habe ich versucht, mir die Reihenfolge mit einer Merktechnik zu merken. Erst als ich angefangen habe, meine Lernhefte zu erstellen, habe ich einen Weg gefunden, es mir auf eine andere Art und Weise wirklich nachhaltig zu merken.

 

 

Komme also mit in die Praxis und begebe dich durch 10 verschiedene Türen. In jedem Raum 

prüfen wir etwas anderes. 

 

1. blaue Tür - Erster Eindruck. 

Dein Klient kommt durch die Tür. Du bekommst einen ersten Eindruck von seinem Äußeren Erscheinungsbild, der Körperhaltung, wie er Kontakt aufnimmt und sich verhält. 

 

2. gelbe Tür - Sprache

Du geleitest ihn in den gelben Raum und bittest ihn, Platz zu nehmen. Dort sprecht ihr das erste Mal miteinandern - Sprache.

Nun geht ihr einen Raum weiter.

 

3. grüne Tür - Elementarfunktionen

Hier geht es um die Vigilanz (Bewusstsein), Orientierung und Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Intelligenz. Vigilanz konnte ich mir übrigens auch nicht merken, also habe ich ein Wortbild für mich erstellt. Eine Wiege und ein Mikrofon mit Lanz-Podcast drüber. 

 

4. und 5. und 6. lila Türen - Wahrnehmung und Denken

Hat dein Klient Halluzinationen oder Wahrnehmungsstörungen? Ist sein Denken in irgendeiner Weise gestört oder gibt es sogar Zwangsgedanken?

 

7. türkise Tür - Ich Erleben

Nun beschäftigst du dich mit dem ICH Erleben, also der Selbstwahrnehmung, der Identität und des Selbstwertes. 

 

8. rosa Tür - Affekt & Stimmung

Affekte sind Gefühle. Wie sieht es also mit der Gefühlswelt aus?

 

9. hellgelbe Tür - Antrieb & Psychomotorik

Wie ist der Antrieb, der psychomotorische Ablauf usw...

 

10.  rote Tür - Risiko

Suizidalität, Fremdgefährdung und besondere Risiken

 

Wie ist es mit Suizidalität, Fremdgefährdung und besonderen Risiken?

Ein besonders wichtiger Teil der psychiatrischen Befunderhebung ist die Einschätzung möglicher Gefährdungen und Risiken. Dazu gehören vor allem Suizidalität und Fremdgefährdung, aber beispielsweise auch Selbstverletzungen oder andere gefährdende Verhaltensweisen. Gerade in der Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie solltest du wissen, dass eine mögliche akute Eigen- oder Fremdgefährdung immer besondere Aufmerksamkeit erfordert und Konsequenzen für das weitere Vorgehen haben kann.

 

Wenn du dich jetzt fragst: Was ist eigentlich mit der Sexualität? Gehört die nicht auch in den psychopathologischen Befund? Nach dem AMDP-System gehört die Sexualanamnese nicht zu den klassischen Merkmalen des psychopathologischen Befundes. Informationen zur Sexualität können im Rahmen der Anamnese erhoben werden, wenn sie für die aktuelle Situation, Symptomatik oder Erkrankung relevant sind.

 

Aber was bedeutet eigentlich AMDP?

AMDP steht für Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie. Das AMDP-System hilft dabei, psychopathologische Symptome systematisch zu erfassen und möglichst einheitlich zu beschreiben. Gerade beim Lernen für die HPP-Prüfung begegnet dir das System deshalb immer wieder.

Vereinfacht kannst du dir den Unterschied so merken: Während die ICD-10 psychische Störungen klassifiziert und dir dabei hilft einzuordnen, welche Diagnose vorliegen könnte, beschreibt das AMDP-System, welche psychopathologischen Symptome bei einem Menschen aktuell feststellbar sind.

 

Nehmen wir ein Beispiel: Eine Patientin erzählt, dass ihre Gedanken ständig um dieselben belastenden Themen kreisen. Sie kann sich kaum konzentrieren und sagt, sie fühle innerlich überhaupt nichts mehr. Im psychopathologischen Befund beschreibst du diese Beobachtungen und Angaben mit möglichst eindeutigen Fachbegriffen. Hier könnten beispielsweise Grübeln, Konzentrationsstörungen und das Gefühl der Gefühllosigkeit erfasst werden.

 

Das ist ein wichtiger Unterschied für die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie: Im psychopathologischen Befund stellst du nicht einfach eine Diagnose, sondern beschreibst zunächst den aktuellen psychischen Zustand eines Menschen. Das AMDP-System gibt dir dafür eine gemeinsame Fachsprache und eine systematische Struktur an die Hand.

Welche Bereiche gehören zum psychopathologischen Befund?

Beim psychopathologischen Befund werden verschiedene psychische Funktionsbereiche betrachtet. Dazu gehören unter anderem Bewusstsein, Orientierung, Aufmerksamkeit und Gedächtnis, formales Denken, Befürchtungen und Zwänge, inhaltliches Denken, Wahrnehmung, Ich-Störungen, Affektivität sowie Antrieb und Psychomotorik.

Für deine HPP-Prüfung solltest du deshalb drei Begriffe auseinanderhalten können: Anamnese, psychopathologischer Befund und Diagnose. Sie gehören zur psychiatrisch-psychotherapeutischen Befunderhebung, erfüllen aber unterschiedliche Aufgaben. Die Anamnese beschäftigt sich vor allem mit der Vorgeschichte und den Angaben des Patienten. Der psychopathologische Befund beschreibt den

 

F0 Lernheft ICD-10
Information icon

Wir benötigen Ihre Zustimmung zum Laden der Übersetzungen

Wir nutzen einen Drittanbieter-Service, um den Inhalt der Website zu übersetzen, der möglicherweise Daten über Ihre Aktivitäten sammelt. Bitte überprüfen Sie die Details in der Datenschutzerklärung und akzeptieren Sie den Dienst, um die Übersetzungen zu sehen.